ROTER FADEN einer Bachelorarbeit | Beispiele & Anleitung

Roter Faden in Bachelorarbeit und Masterarbeit
Inhalt:

Ein Roter Faden ist wie ein Kompass. Es ist in Texten aller Art ein Problem, wenn ein Roter Faden fehlt. In wissenschaftlichen Arbeiten, wie etwa einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit, ist ein Roter Faden aber von besonderer Bedeutung. Ohne den berühmt-berüchtigten Faden nämlich passiert es allzu leicht, dass eine Arbeit sich in zahlreichen Detailfragen und irrelevanten Nebendiskussionen verliert und letzten Endes zu keiner klaren Aussage und auch nicht zu einer Antwort auf die zentrale Problemstellung kommt. Mit dem roten Faden ist also auch der logische Aufbau einer Arbeit gemeint (vgl. Theisen 2013: 117). Im Folgenden geht es darum, wie man ein solches Leitmotiv für seine wissenschaftliche Arbeit findet und im Verlauf der Arbeit auch beibehält. Es folgt nun der Roter Faden Leitfaden 😉

Roter Faden fängt bei der Forschungsfrage an

Ein Roter Faden entsteht nur dann, wenn es eine Fragestellung in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit gibt. Sie gibt schließlich das Ziel vor: Beantwortet zu werden. Daran kann man fortan die einzelnen Kapitel, Unterthesen und Argumente messen: Tragen sie zur Beantwortung der Forschungsfrage bei oder nicht?

Wenn sie nicht zur Beantwortung beitragen und auch nicht dazu dienen, den Leser mit Wissen auszustatten, das für das Verständnis der Arbeit notwendig ist, sollte man sie besser weglassen. Solche Kapitel sorgen nämlich leider dafür, dass das zentrale Thema aus dem Fokus verschwindet und es zunehmend weniger klar wird, worum es eigentlich geht. Ein Roter Faden fehlt!

Es ist also von zentraler Bedeutung die Forschungsfrage präzise zu formulieren und darauf zu achten, dass es möglich bleibt, sie zu beantworten. Darauf aufbauend fällt einem dann auch der Aufbau der Gliederung leichter. Die Donau-Universität Krems bietet auf der Onlineplattform Mahara eine sehr hilfreiche Übersicht dafür an, wie Roter Faden als richtungsweisende Forschungsfrage formulieren kann.

Ein Roter Faden auf mehreren Ebenen in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Damit sich ein Roter Faden durch die gesamte wissenschaftliche Arbeit zieht, ist es wichtig, dies auf folgenden Ebenen anzustreben:

  1. formale Ebene, also die Gliederung der Arbeit.
  2. sprachliche Ebene, durch Verbindungswörter und überleitende Textpassagen, die dem Leser klar machen, von welchem Punkt man gerade zum nächsten wechselt.
  3. inhaltliche Ebene, durch sinnvolle Verknüpfung der Argumente.

Man kann sich auf Grundlage dieser Unterteilung eine Mindmap erstellen, auf der man Maßnahmen festhält, die man treffen möchte, damit sich ein Roter Faden in der Arbeit befindet. Eine solche Mindmap kann sehr hilfreich sein, um sich bei seinem Schaffen in regelmäßigen Abständen der Selbstkontrolle zu unterziehen und sein Werk gemäß der Mindmap auf seine Integrität zu überprüfen.

Auch Testleser und das Lektorat einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit sind eine gute Idee. Nicht nur um die Arbeit, egal ob fertiggestellt oder im Entstehen begriffen, inhaltlich und formal auf Fehler zu überprüfen. Auch um aus der Perspektive einer anderen Person festzustellen, ob ein Roter Faden in der Arbeit zu erkennen ist, ist es hilfreich, andere Probelesen zu lassen. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn es sich um Personen handelt, die selbst schon Erfahrung mit dem Themenkomplex wissenschaftliches Arbeiten haben, oder sich mit dem Thema der Arbeit ebenfalls gut auskennen. Wenn man außerdem frühzeitig ein Feedback zum Text bekommt, hat man auch noch Zeit, den Text umschreiben zu lassen.

Gliederungsebenen der Bachelorarbeit als Roter Faden

Ein Roter Faden auf der Gliederungsebene geht nicht verloren, wenn man die eigene Vorgehensweise in der Arbeit erklärt. Dies kann am Besten in der Einleitung geschehen. Man sollte erklären, warum die Arbeit gerade so strukturiert ist, wie sie ist und erläutern, wie die einzelnen Kapitel inhaltlich aufeinander aufbauen. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt man welchem Gesamtzweck das, was der Leser gleich lesen wird, dient und wie es sich in die Arbeit einfügt, also an welcher Stelle der Beantwortung der Fragestellung man sich gerade befindet.

Wer zu seinen Hypothesen verschiedene Unterthesen aufgestellt hat, sollte diese in einer aufeinander aufbauenden Reihenfolge vorstellen und in Unterkapiteln in derselben Reihenfolge auch beantworten. Diese Zwischenantworten können dann im Rahmen des Schlussteils der Arbeit in das Gesamtfazit mit eingewoben werden. So entsteht leicht ein Roter Faden.

Professor Dr. Marco Althaus empfiehlt auf einem Blog der Technischen Hochschule Wildau folgenden Aufbau um Unterthesen sinnvoll in eine Gliederung einzubeziehen:

  1. Einleitung: Gesamtfrage
    1.1 Frage 1
    1.2 Frage 2
    1.3 Frage 3
  2. Hauptteil
    2.1 Frage 1
    → Zwischenfazit
    2.2 Frage 2
    → Zwischenfazit
    2.3 Frage 3
    → Zwischenfazit
  3. Konklusion
    3.1 Fazit Frage 1
    3.2 Fazit Frage 2
    3.3 Fazit Frage 3
    → Gesamtantwort als Fazit der Fazits

Roter Faden durch sprachliche Ebene

Auf der sprachlichen Ebene kommt ein Roter Faden zustande, wenn man Verbindungswörter bzw. Übergangswörter verwendet.

Etwa um

  • Belege für gestellte Thesen einzuleiten (weil, deshalb, was beweist das… , um zu zeigen…)

Oder um

  • im Gegenteil Aussagen zu entkräften (entgegen, obwohl, dennoch, stattdessen, anders als…)
  • ähnliche Argumente oder die Thesen stützende Aussagen zu verknüpfen(ebenso, auch, ähnlich, wie schon bewiesen…)
  • dem Leser die grundlegende Aussage eines Kapitels oder eines Zwischenabschnitts nochmals ins Gedächtnis zu rufen. Hier empfiehlt es sich an deren Ende kurze Zusammenfassungen der Ergebnisse zu setzen. Dabei sollte sprachlich klar gemacht werden, dass dieser Textteil dazu dient abzuschließen und überzuleiten.

Wiederholungen sind dabei der Schlüssel. Die Wiederholung von Formulierungen mag literarisch nicht gerade elegant sein, dient aber dazu gewissermaßen „Wegpunkte“ zu setzen, an denen der Leser sich orientieren kann. Solche Wegpunkte sollte man auch setzen, wenn man seine These mit Argumenten unterfüttert. Daraus ergibt ich leicht ein Roter Faden.

Jedes Argument ist nur dann relevant, wenn es der Beantwortung der Fragestellung dient. Wenn man das am Ende des Arguments sprachlich nicht festhalten kann, sollte man gegebenenfalls überprüfen, ob es daran liegt, dass das Argument dieser Anforderung nicht gerecht wird.

Roter Faden durch inhaltliche Ebene

Auf der inhaltlichen Ebene ist die Verknüpfung der Argumente zu einer Argumentationskette das Mittel der Wahl, damit ein roter Faden entsteht:

Thesen und Argumente

Man sollte sich überlegen, welches Argument welche These unterstützt und sie dementsprechend zuordnen. Es ist ein hilfreiches Vorgehen, wenn man für jede These ein Hauptargument hat, welches das erste in der jeweiligen Argumentationskette ist. Daran kann man dann empirische Aussagen anhängen, die das Hauptargument unterstützen. Dabei sollte man in der Reihenfolge absteigender Relevanz vorgehen, sowie „Argumente und Belege aufeinander beziehen und dabei auch auf bereits in vorherigen/zukünftigen Kapiteln Geschriebenes Bezug nehmen.“ (Engelmeier, B (2014). Doch sollte man immer unterscheiden, was eigene Argumente und die von anderen Autoren sind, damit es bei einer Plagiatsprüfung nicht zu einem bösen Erwachen kommt.

Fremde Aussagen unterstützen die eigenen Argumente

Sowohl eigene als auch fremde empirische Aussagen sollten zweckmäßig eingesetzt werden, also zur Unterstützung oder Widerlegung von Thesen. Es ist ratsam Leitfragen zu formulieren, die auf die eigene Hypothese zurückführen, zu deren Beantwortung man Argumente aus verschiedenen Quellen gegenüberstellt. Die Leitfragen dienen dabei dem Zweck den Leser auf die folgenden Argumente vorzubereiten (vgl. Esselborn-Krumbiegel 2002), wodurch ein Roter Faden entsteht.
Eine Leitfrage zu einer Arbeit zum „Vergleich der Werbewirksamkeit verschiedener Marketingstrategien“ wäre beispielsweise „Können Werbespots vor Onlinevideos den Umsatz eines Produktes ankurbeln?“ Anschließend können empirische Daten als Argumente dafür oder dagegen gegenübergestellt werden.

Die Frage macht klar, worum es besonders geht: Das Herausfinden der Werbewirksamkeit einer bestimmten Werbestrategie im Rahmen des größeren Ziels der Arbeit, verschiedene Strategien zu vergleichen. Auch und besonders auf der inhaltlichen Ebene ist es wichtig, dass nur für das Thema der Arbeit relevante Daten und Argumente verwendet werden.

Wie in der bekannten griechischen Sage vom Minotaurus der Königssohn Theseus einen Faden benutzt, um den Rückweg aus einem Labyrinth zu finden, so können Verfasser und Leser den Roten Faden benutzen um sich in einer wissenschaftlichen Arbeit zu orientieren.

Ein Roter Faden ist eben keine entbehrliche Zierde, sondern eine wichtige Bedingung für eine erfolgreiche Abschlussarbeit. Er stellt sicher, dass die Arbeit inhaltlich zusammenhängend ist. Er erleichtert das Schreiben für den Verfasser dadurch, dass er Orientierung bietet, wenn sich mal wieder eine Schreibblockade anbahnt. Besonders aber trägt er erheblich dazu bei, dass die Arbeit sich gut liest. Denn auch bei wissenschaftlichen Arbeiten ist der Spaß beim und am Lesen nicht entbehrlich!

Literatur

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2008): Von der Idee zum Text, Paderborn/München/Wien/Zürich.

Theisen, Manuel René, (2013): Wissenschaftliches Arbeiten – Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, München.

Folgende Artikel könnten Dir auch noch gefallen
Autor:
Blogverzeichnis - Bloggerei.de