Der Sperrvermerk einer Bachelorarbeit

Sperrvermerk in Bachelorarbeit und Masterarbeit
Inhalt

Bei manchen Arbeiten ist es erforderlich, dass man die enthaltenen Daten vertraulich behandelt. Um dies zu gewährleisten, wird der Masterarbeit oder Bachelorarbeit ein Sperrvermerk beigefügt. Was dieser genau ist und was man dabei beachten muss, erklärt dieser Artikel.

Warum einen Sperrvermerk für die Bachelorarbeit verfassen?

Manchmal verfasst man die Masterarbeit oder Bachelorarbeit im Rahmen eines Praktikums bei einem Unternehmen oder sie enthält sensible Unternehmensdaten. Dann kann es erforderlich sein, dass man der Arbeit eine Vertraulichkeitserklärung, auch Sperrvermerk genannt, beifügt. Alternativ kann man auch die Bezeichnung Geheimhaltungsverpflichtung nutzen (vgl. Oertner, St. John & Thelen 2014: 30).

Der Sperrvermerk sorgt dafür, dass man die wissenschaftliche Arbeit für einen gewissen Zeitraum nicht veröffentlichen darf. Das bedeutet, dass die Arbeit nur einem sehr eingeschränkten Publikum zugänglich ist. Dies ist ausschließlich für das Unternehmen von Vorteil. Allein das Unternehmen, welches denn Sperrvermerk fordert, bestimmt, ob die Daten in der Arbeit von der Veröffentlichung ausgeschlossen sind.

Eine Vertraulichkeitserklärung bedeutet, dass die Verwertbarkeit der Abschlussarbeit stark eingeschränkt ist. Jedoch kann die Arbeit mit solch vertraulichen Daten spätere Einstellungschancen bei genau diesem Unternehmen erhöhen. Daher ist unbedingt abzuwägen, ob sich die Entscheidung für ein Thema, das sich mit den zu schützenden Daten befasst, für den Studenten eignet.

Ein Sperrvermerk dient also dem Unternehmen, seine vertraulichen Daten oder bestimmtes Wissen zu schützen. So können beispielsweise Patente, geheime Pläne oder Strategien abgesichert werden. Die sprachliche Formulierung oder die Formatierung ist dabei nicht vorgegeben. Jedoch muss sie präzise definieren, was man über welchen Zeitraum vertraulich behandeln muss.

Was ist zu beachten?

Der Sperrvermerk ist rechtsverbindlich. Er legt fest, wem man die Arbeit zugänglich machen darf. Daher ist es wichtig, sowohl mit dem Unternehmen als auch mit der Hochschule genau zu vereinbaren, wie man den Sperrvermerk formulieren soll. Die Vertraulichkeitserklärung schützt die sensiblen Daten über einen gewissen Zeitraum hinweg, der Sperrfrist genannt wird (vgl. Theisen 2013: 217).

Bezüglich der Sperrfrist ist eine Dauer von zwei, drei oder fünf Jahren üblich. Dabei entscheidet das Unternehmen, welcher Zeitraum erforderlich ist. Generell geht das Bedürfnis nach einem Sperrvermerk immer vom Unternehmen und nicht von der Hochschule aus. Dennoch haben viele Universitäten Richtlinien für die Vertraulichkeitserklärung, welche sie den Studenten als Muster zur Verfügung stellen.

Während der Sperrfrist darf man die wissenschaftliche Arbeit nur den Personen zugänglich machen, die das Unternehmen ausdrücklich genehmigt hat. Dazu müssen auf jeden Fall die Prüfer und Betreuer der Abschlussarbeit gezählt werden. Es ist zudem praktisch, wenn auch die Person, die das Lektorat und Korrekturlesen übernimmt, dazu gehört. In der Regel muss dieser Personenkreis – wie auch der Student –eine Geheimhaltungserklärung beim Unternehmen unterzeichnen.

Einem breiten Publikum bleibt die Arbeit in diesem Sperrzeitraum verwehrt. Nach Ablauf der Frist darf man die Abschlussarbeit dann veröffentlichten. Sollte man die Abschlussarbeit in englischer Sprache verfassen, so ist auch der entsprechende Sperrvermerk in englischer Sprache zu formulieren.

Bleibt noch zu klären, wo man den Sperrvermerk platzieren sollte. Da auch die Vertraulichkeitserklärung kein Bestandteil der eigentlichen Masterarbeit oder Bachelorarbeit ist, fügt man sie direkt nach dem Deckblatt ein. Möglich ist auch, die Geheimhaltungsverpflichtung direkt auf das Deckblatt zu setzen. Wie eine Danksagung erhält der Sperrvermerk keine Seitennummerierung und wird nicht in das Inhaltsverzeichnis aufgenommen.

Alternativen zum Sperrvermerk

Wie steht es eigentlich um den wissenschaftlichen Aspekt, denn der Sperrvermerk stellt den „wissenschaftlichen Anspruch der Arbeit infrage, da Verfügbarkeit und Transparenz stark eingeschränkt sind“ (Oertner, St. John & Thelen 2014: 30). Zudem macht er es den Hochschulen oft schwer, eine Plagiatsprüfung durchzuführen, da sie dazu den Text auf einen fremden Server hochladen.

Schließlich sollen doch wenigstens Masterarbeiten veröffentlicht werden können, alleine deswegen, weil der Wissenschaft neue Erkenntnisse zugänglich gemacht werden sollen. An vielen Universitäten werden die wissenschaftlichen Arbeiten in die hochschuleigene Bibliothek aufgenommen (vgl. Stickel-Wolf & Wolf 2013: 263). Dies wird durch den Einsatz eines Sperrvermerks vorerst unterbunden.

Doch es gibt auch Alternativen zur Vertraulichkeitserklärung, um die Arbeit trotz sensibler Daten für wissenschaftliches Arbeiten berücksichtigen zu können und die Ergebnisse veröffentlichen zu können und den Sperrvermerk zu vermeiden. So kann das Forschungsobjekt mitsamt der Fragestellung verfremdet werden. Dies bedeutet, dass nicht mehr ersichtlich ist, um welches Unternehmen es sich in der Abschlussarbeit handelt.

Eine andere Möglichkeit besteht im Schutz von bestimmten Bestandteilen der Abschlussarbeit. Beispielsweise können die vertraulichen Daten in Anhängen enthalten sein, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden (vgl. Kratzke 2015: 412). Außerdem könnten in der veröffentlichten Version bestimmte Passagen geschwärzt werden.

Allerdings ist bei allen diesen Alternativen darauf zu achten, dass die wissenschaftliche Arbeit auch ohne die schützenswerten Bestandteile noch lesbar und nachvollziehbar ist. Daher ist abzuwägen, ob der enorme Aufwand, der dadurch entsteht, überhaupt durchführbar ist und im Verhältnis steht. Möglicherweise bedeutet dann ein Sperrvermerk doch das kleinere Übel.

Beispiele und Vorlagen für die Bachelorarbeit

Eine Vorlage für einen Sperrvermerk stellt beispielsweise die  Fachhochschule Münster auf ihrer Webseite zum Download bereit.

Auch viele andere Universitäten bieten ein eigenes Muster für den Sperrvermerk einer wissenschaftlichen Arbeit an. So stellen die Hochschulen meist diese Vorlagen auf ihrer jeweiligen Homepage bereit. Dabei ist dieser Sperrvermerk oft nicht als PDF- oder Word-Datei downloadbar. Dahingegen findet man ihn in den Guidelines zum Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit.

So kann beispielsweise der Sperrvermerk im Leitfaden der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg eingesehen werden. Dieser wird hier gleich in zwei verschiedene Sprachen – deutsch und englisch – zur Verfügung gestellt.

Sperrvermerk einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit
Abb. 1: Sperrvermerk in deutscher und englischer Sprache

Der Sperrvermerk dient also den Unternehmen dazu, ihre vertraulichen Informationen vor der Öffentlichkeit zu schützen. Die Sperrfrist wird von der jeweiligen Firma festgelegt und beträgt in der Regel zwischen zwei und fünf Jahren. In dieser Zeit darf man die wissenschaftliche Arbeit der Öffentlichkeit nicht zugänglich machen.

Es gibt einige Alternativen zur Vertraulichkeitserklärung, jedoch muss im Einzelfall entschieden werden, ob deren Einsatz sich lohnt und überhaupt durchführbar ist. Auf jeden Fall muss mit dem Unternehmen und der Hochschule im Vorfeld abgesprochen werden, welche Inhalte über welchen Zeitraum geschützt werden sollen.

Literatur

Kratzke, Nane (2015): Sperrvermerke bei Abschlussarbeiten, in: Informatik Spektrum 38 (5), Berlin.

Oertner, Monika/Ilona St. John/Gabriele Thelen (2014): Wissenschaftlich Schreiben – Ein Praxisbuch für Schreibtrainer und Studierende. Paderborn

Stickel-Wolf, Christine/Joachim Wolf (2013): Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken – Erfolgreich studieren – gewusst wie! 7. Aufl., Wiesbaden.

Theisen, Manuel René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten – Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. München

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