Computergestützte qualitative Analyse von Daten

Computergestützte Qualitative Analyse QDA - Qualitative Data Analysis
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Mit computergestützter Analyse verbinden viele zunächst rein statistische Methoden. Doch auch für die qualitative Forschung für eine empirische Arbeit gibt es mittlerweile einige Computerprogramme, die die qualitative Analyse erleichtern. Ob Beobachtungsprotokolle, Interviewaufzeichnungen oder persönliche Notizen – alles kann mit moderner Software zusammengeführt und aufbereitet werden. Wie die Methode angewendet wird, welche Programme es gibt und wo Vor- und Nachteile liegen, wird in diesem Artikel erklärt.

Warum eine computergestützte qualitative Analyse in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit?

Bei der computergestützten Analyse nutzen Forscher spezielle Software, um ihre Daten besser auswerten zu können. Dabei ist es egal, ob diese zuvor qualitativ oder quantitativ erhoben wurden. Auf den ersten Blick erscheint nicht klar, wie ein Computerprogramm eine qualitative Analyse bereichern kann. Schließlich grenzt sich die qualitative Forschung von der quantitativen ja gerade dadurch ab, dass sie Einzelfälle betrachtet und nicht verallgemeinert (vgl. Lamnek 2010: 222). Dieser Anspruch scheint mit einer rein rationalen, berechnenden Software nicht vereinbar zu sein.

Hier muss jedoch klar gemacht werden, wozu eine computergestützte qualitative Analyse dienen soll – und wozu nicht. Die Software hilft grundsätzlich, Datenmengen zu sortieren und zu strukturieren. Gerade in der qualitativen Forschung arbeitet man mit den unterschiedlichsten Daten. Man hat Beobachtungsprotokolle, persönliche Notizen und Ergebnisse von Umfragen in den verschiedensten Formaten. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Viele Studenten kennen das vom Zitieren. Immer wird der Orientierungsverlust während du wissenschaftliches Arbeiten versuchst, deshalb bei einer Plagiatsprüfung aufgedeckt. Was die Software jedoch nicht leisten kann (und soll), ist die Analyse der Daten. Diese Aufgabe und Verantwortung liegt immer allein beim Forscher.

Voraussetzungen für die qualitative Analyse in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Wie läuft so eine computergestützte Analyse ab? Voraussetzung ist, dass die Datenerhebung abgeschlossen ist. Theoretisch kann man die Analyse zwar auch parallel zur Erhebung durchführen. Dies eignet sich bei den qualitativen Methoden jedoch weniger, weil die ersten Ergebnisse den Forscher für die folgenden beeinflussen könnten. Es ist besser, direkt das Gesamtmaterial zu betrachten. Wichtig ist auch, dass alle Daten vor der Analyse digitalisiert werden. Ein aufgezeichnetes Interview muss also transkribiert, handschriftliche Notizen abgetippt und Dokumente und Bilder eingescannt werden (Kuckartz 2007: 36).

Danach werden all diese Daten mit Hilfe des Computerprogramms geordnet. Je nach Forschungsschwerpunkt kann man das Material beliebig sortieren. Meist ist eine Anordnung nach Thema oder Quelle sinnvoll. Hierzu ein Beispiel: Man untersucht eine bestimmte Problemlage in der Gesellschaft wie etwa fehlende Kitaplätze in einer Region. Dann könnte man die Daten nach den verschiedenen Aspekten des Problems sortieren, die sich in der Erhebung zeigten. Ebenso denkbar wäre eine Zusammenfassung der Daten nach den jeweiligen Quellen: Wie sieht die Gruppe der betroffenen Familien das Problem? Was sagen Politiker? usw.

Das Codieren

Die Software unterstützt dabei das einfache Bilden von Kategorien, das sogenannte Codieren. Je mehr Daten man bearbeitet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu bereits generierten Codes passen. Besonders wichtig erscheinende Kategorien kann man im Laufe des Prozesses als Oberkategorien kennzeichnen. Dies sind zum Beispiel solche, die im Datenmaterial besonders oft auftauchen (siehe dazu auch die Hinweise der Universität Augsburg). Die Arbeit ist dadurch gleich viel übersichtlicher, was sich besonders bei größeren Datenmengen auszahlt. Neben der Kategorienbildung können die Daten am Computer auch mit Kommentaren versehen werden. So geht keine Idee oder Anmerkung, die der Forscher während der Durchsicht der Daten hat, verloren.

Danach beginnt die eigentliche qualitative Analyse: Der Forscher sucht Zusammenhänge zwischen den Codes sowie Gemeinsamkeiten und Widersprüche innerhalb der Kategorien. Hier gleicht das Vorgehen im Grunde einer Analyse, die nicht computergestützt abläuft. Doch kann der Prozess durch Software einfacher, strukturierter und schneller ablaufen.

Die Softwares und ihre Vor- und Nachteile

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe professioneller Software für die qualitative Analyse (kurz: QDA). Einige sind sogar kostenlos oder zumindest als Testversionen verfügbar. Kostenpflichtige Programme haben aber natürlich weitaus mehr Funktionen. Welche für einen am besten geeignet ist, hängt vor allem von der Menge und der Art des Datenmaterials ab.

MAXQDA

Die wohl bekannteste Software ist „MAXQDA“. Sie unterstützt sämtliche qualitative Analyseverfahren von der Inhaltsanalyse bis zum Mixed-Methods-Ansatz. Man kann hier problemlos verschiedenste Medien wie Texte, Bilder, Videos, Tabellen oder Formulare einspeisen, anordnen und codieren. Durch eine spezielle Memo-Funktion lassen sich Notizen und Kommentare zudem direkt am Material anbringen.

ATLAS.ti und f4 analyse

„ATLAS.ti“ funktioniert ähnlich wie MAXQDA und ist in der qualitativen Forschung ebenfalls sehr beliebt (vgl. Konopásek 2011). Ist der Umfang des Datenmaterials eher gering oder besteht nur aus Textmaterial, so ist das Programm „f4 analyse“ empfehlenswert. Es eignet sich besonders für Anfänger, da es nur über die Grundfunktionen der anderen beiden Programme verfügt. Für die qualitative Analyse von reinem Textmaterial ist dies völlig ausreichend.

Viele Hochschulen führen sogar spezielle Seminare und Workshops zur Anwendung von QDA-Software durch (siehe zum Beispiel die Einführung der Pädagogischen Hochschule Freiburg). Oft erhält man als Student auch vergünstigte Lizenzen oder kann die Kosten mit anderen Kommilitonen teilen. Diese Optionen sind sehr empfehlenswert, da die Programme je nach Umfang recht teuer sein können. Generell wird QDA-Software mittlerweile in sehr vielen wissenschaftlichen Bereichen genutzt, etwa in den Sozial- und Geisteswissenschaften oder der Marktforschung. Sie ist zwar nicht gerade günstig, vor allem für diejenigen, die mit großen Datenmengen und vielen unterschiedlichen Medien arbeiten. Doch sie erspart dem Forscher Mühe und Zeit, die er sonst für die „händische“ Arbeit hätte aufwenden müssen.

Letztendlich kann sie dazu beitragen, dass die Forschungsergebnisse differenzierter und valider ausfallen. Denn durch den Zeitgewinn kann der Analyseprozess natürlich entsprechend intensiviert werden. Zudem ist mehr Zeit für weitere Arbeiten an der Bachelorarbeit oder Masterarbeit wie etwas das Lektorat und Korrekturlesen.

Im Grunde muss jedoch jeder Forscher für sich entscheiden, ob die computergestützte qualitative Analyse etwas für ihn ist oder nicht. Der eine mag den Überblick über seine Daten besser behalten, wenn diese ausgedruckt vor ihm liegen. Dem anderen macht die reine Bildschirmarbeit vielleicht weniger aus. Für alle Methoden – computergestützt oder nicht – gilt: die inhaltliche Analyse kann letztendlich nur der Forscher selbst übernehmen.

Literaturangaben

Konopásek, Zdeněk (2011): Das Denken mit ATLAS.ti sichtbar machen: Computergestützte qualitative Analyse als textuelle Praxis, in: Mey, Günter/Mruck, Katja (Hrsg.): Grounded Theory Reader (S. 381–403), 2. Auflage, Wiesbaden.

Kuckartz, Udo (2007): Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten, 2. Auflage, Wiesbaden.

Lamnek, Siegfried/Krell, Claudia (2010): Qualitative Sozialforschung: Lehrbuch, 5. Auflage, Weinheim.

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