Berufsbegleitend Promovieren? Das sollte man beachten!

Berufsbegleitend promovieren - Tipps zur Promotion neben dem Job
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Der Doktortitel und das Schreiben einer Dissertation ist die Krönung einer jeden akademischen Ausbildung. Wer den Würdentitel dabei aus finanziellen oder praktischen Gründen beim berufsbegleitend Promovieren erlangen möchte, braucht vor allem ein gutes Zeitmanagement und Selbstdisziplin. Was es darüber hinaus zu beachten gilt, erläutert der folgende Artikel.

Berufsbegleitend promovieren: Wozu eigentlich?

Für viele Hochschulabsolventen ist es nur ein kleiner Schritt vom Masterabschluss hin zur Frage: Lohnt sich die Promotion? In jedem Fall sollten Interessierte abwägen, inwieweit Kostenaufwand und Karrierenutzen in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Tatsächlich gibt es reichlich Berufswege, die ohne akademischen Titel nur schwer bis gar nicht zu beschreiten sind.

Wer etwa eine Laufbahn in der Wissenschaft anstrebt, dem bleiben nur Promotion und Habilitation, um den Traum von der Professur zu erreichen. Ebenso an eine Dissertation gebunden sind häufig Karrieren in den Naturwissenschaften: In Fächern wie Physik, Chemie oder Biologie gehört der Doktortitel schlichtweg zum guten Ton.

In den Wirtschafts-, Sozial- oder Geisteswissenschaften dagegen ist der akademische Würdentitel meist schmückendes Beiwerk. Dieser kann von Arbeitgebern der freien Wirtschaft zwar je nach Position mit bis zu 20% mehr auf dem Lohnzettel belohnt werden, dennoch sind große Karrieren hier auch ganz ohne Doktortitel möglich.

Doch gerade wer schon einige Jahre im Beruf tätig ist, hört die Verlockungen einer Promotion mitunter lauthals rufen. Nicht zuletzt, um den eigenen Wissensdurst zu stillen und sich neben dem Beruf weiter zu qualifizieren. Zudem erscheint die berufsbegleitende Promotion besonders attraktiv, da sie eine gewisse finanzielle Sicherheit beim Verfassen der Dissertation bietet.

Mögliche Wege zum Schreiben der Dissertation

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes erlangen mehr als 29.000 Menschen in Deutschland jährlich den Doktortitel. Der Weg zur Promotion kann dabei ganz individuell gestaltet werden und hängt häufig von der Frage ab, auf welches Ziel die Qualifikationsarbeit hinwirken möchte.

Wer später einmal in Forschung und Lehre tätig sein will, dem empfiehlt sich die klassische Promotion direkt im Fachbereich an der Universität schon allein deshalb, um frühzeitig Strukturen im Hochschulbetrieb kennenzulernen. Auch akademische Netzwerke können so bereits früh auf- und ausgebaut werden. Alternativ bieten Graduiertenschulen, etwa die der Deutschen Forschungsgemeinschaft, geeignete Plattform um Promotionsvorhaben gemeinschaftlich umzusetzen.

Wer sein Glück mit einem Doktortitel dagegen in der freien Wirtschaft versuchen möchte, der denkt schon wegen des stärkeren Praxisbezuges häufig an eine berufsbegleitende Promotion. Gemeint ist hierbei die Arbeit an einem Dissertationsprojekt parallel zu einer beruflichen Erwerbstätigkeit, weswegen man gemeinhin auch von einer „externen Dissertation“ spricht.

Finanzierungsmodelle

Ihrer Natur nach ist jede Promotion einzigartig. Ebenso individuell sind dabei die Kosten, die das Forschungsprojekt mit sich bringt und ebenso zahlreich die Möglichkeiten, diese abzudecken. Üblicherweise stemmen Promovierende die Kosten für eine Dissertation aus Stipendiengeldern oder durch eine wissenschaftliche Mitarbeit an der Universität.

Übrigens interessant zu wissen: Laut Statistik finanzieren sich Promovierende der Naturwissenschaften weit häufiger aus Mitarbeiterstellen. Geisteswissenschaftler dagegen arbeiten nur in 10 bis 20 Prozent aller Fälle an der Universität und tragen die Unkosten einer Promotion stattdessen vorwiegend über Stipendien (Hell 2017: 81).

Voraussetzung hierfür ist allerdings die erfolgreiche Bewerbung auf eine Promotions- oder Mitarbeiterstelle. Wer weder das eine noch das andere ergattern konnte, dem bietet sich weiterhin die Möglichkeit, die Dissertation über einen Bildungs- oder Studienkredit zu finanzieren. Mit Zinsen und festen Rückzahlungsfristen können derlei Kredite jedoch schnell in die Schuldenfalle führen.

Daher ist auch das Promotion Finanzieren durch eine klassische Erwerbstätigkeit nicht unüblich. Besonders unter Juristen ist die berufsbegleitende Promotion gängige Praxis (Hell 2017: 81). Sie erfordert dabei deutlich mehr Engagement, bietet aber zum einen finanzielle Sicherheit und ermöglicht zum anderen einen größeren Praxisbezug.

Berufsbegleitend promovieren: Was sollte man beachten?

Wer berufsbegleitend promovieren möchte, sollte in jedem Fall seinen Arbeitgeber über das geplante Vorhaben informieren – insbesondere dann, wenn sich das Thema inhaltlich an die berufliche Tätigkeit anlehnt. Gut argumentiert kann es durchaus gelingen, die Relevanz der Promotion nicht nur für die eigene Karriere, sondern für das Unternehmen insgesamt herauszustreichen.

Generell erkennen Unternehmen immer häufiger den Wert hausgemachter Promotionen an. Im Rahmen sogenannter „Doktorandenprogramme“ oder auch „Promotionsstellen“, bieten Arbeitgeber angehenden Doktoranden dementsprechend eine feste Anstellung, die neben der alltäglichen Arbeit im Betrieb auch genügend Freiraum zur Erarbeitung einer Dissertation einräumen (Kaltenbach 2008: 62).

Doch auch ohne Promotionsstelle, dafür aber mit ein wenig Verhandlungsgeschick, kann der angehende Doktorand unter Umständen auf die Unterstützung durch den Arbeitgeber hoffen. Eine Freistellung des Arbeitnehmers für Forschungsaufenthalte, die Reduzierung der Arbeitszeit oder die finanzielle Förderung als Weiterbildungsmaßnahme sind durchaus denkbar, sofern das Unternehmen einen Mehrwert für sich (z.B.: Fachkompetenz) in der Weiterbildung des Arbeitnehmers erkennt.

Aufgepasst: Hier lauern die Schwierigkeiten bei der Dissertation!

Neben Geld kostet eine Promotion aber vor allem eines: Zeit und Energie. Dies gilt in besonderem Maße für die berufsbegleitende Promotion. Wer neben einer 40-Stunden-Woche zusätzlich an einer Qualifikationsarbeit schreibt, dem bleibt deutlich weniger Zeit für Familie, Freunde und Hobbies. Entsprechend groß sollte das private wie fachliche Interesse an der eigenen Fragestellung sein.

Wer berufsbegleitend promovieren möchte, sollte gleichfalls eine bedeutend längere Zeit für das Forschungsprojekt einkalkulieren. Eine Promotion in Vollzeit wird demnach in Deutschland durchschnittlich in drei Jahren fertiggestellt – dabei ist dann zum Teil die Zeit für eine Plagiatsprüfung, das Lektorat der Dissertation und die Formatierung nicht einmal mit dabei. Wer neben dem Beruf forscht, kommt nicht selten auf sieben Jahre oder mehr (Vgl. Artikel in der Welt-Online). Promovenden müssen daher einen langen Atem und ein großes Maß an Selbstdisziplin mitbringen.

Auch wichtig: Nicht jedes Thema eignet sich für die berufsbegleitende Promotion. Die Forschungsarbeit muss auch gegebenenfalls noch nach vielen Jahren relevant genug für eine Veröffentlichung sein. Besonders bei Themen aus dem Bereich Technik und Industrie ist dies zu berücksichtigen.

Weiterhin muss eine gute Grundlage für den Betreuer der Arbeit geschaffen werden. Während an der Universität angestellte Doktoranden in ständiger Nähe zur aktuellen Forschungsfragen stehen, müssen sich externe Promovierende immer wieder bewusst über wichtige Themen und Trends in Kenntnis setzen. Auch ist die regelmäßige Fortschrittskontrolle mit den Doktoreltern ist wichtig, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Mindestens ebenso relevant ist außerdem der Kontakt zu anderen Promovierenden. Nicht nur, um frische Ideen für die eigenen Arbeit zu gewinnen, sondern vor allem um im Arbeitsprozess nicht zu „vereinsamen“ und damit an Motivation zu verlieren. Die Humboldt-Universität zu Berlin gibt einen Überblick über renommierte Netzwerke für Promovenden und (angehende) Nachwuchswissenschaftler.

Mühsal, die sich lohnt: Vorteile und Chancen

Bei all dem Aufwand und der Mühe, liegt der entscheidende Vorteil der berufsbegleitende Promotion dennoch klar auf den Hand: Am Ende der Dissertation steht nicht nur eine fachliche Qualifikation, sondern auch einschlägige praktische Berufserfahrung. Besonders Arbeitgeber schätzen dies, bedeutet es doch, dass der Doktorand sowohl theoretisches Know-how als auch praktische Erfahrung mitbringt.

Doch auch für die Arbeit selbst kann der Ausflug in die berufliche Praxis bereits fruchtbare Ansätze liefern: Durch den realen Bezug zu Arbeitsabläufen und Prozessen der Wirtschaft, zeigen sich dem Doktoranden Strukturen sowie gegebenenfalls Probleme, für die im Rahmen der Dissertation mögliche Lösungsansätze gesucht werden können.

Nicht zuletzt trägt eine berufsbegleitende Promotion außerordentlich zur Charakterbildung bei. Wer über viele Jahre hinweg eigenständig und selbstdiszipliniert an einem Forschungsprojekt arbeitet, der beweist Durchhaltevermögen sowie Ehrgeiz und damit Eigenschaften, die gerade unter Führungskräften gern gesehen sind.

Berufsbegleitend promovieren – das bedeutet Herausforderung und Chance zugleich. Die Herausforderung besteht darin, ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Eigenverantwortlichkeit aufbringen zu müssen. Ihr steht nämlich häufig ein effektiver Praxisbezug sowie ein geregeltes Einkommen gegenüber.

Mit ein wenig Geschick kann es Arbeitnehmern überdies gelingen, die eigene Forschung als integrativen Bestandteil der betrieblichen Arbeit zu formulieren. Auf diese Weise können Doktoranden ihr Unternehmen innovativ beim Wachstum unterstützen. Sich selbst können sie als Gewinn für das Unternehmen neu definieren.

Literatur

Hell, Silke (2017): Soll ich promovieren? Voraussetzungen, Chancen und Strategien, München.

Kaltenbach, Host G. (2008): Persönliches Karrieremanagement: Wie Karriere heute funktioniert – Einsichten und Tools vom Karriere-Doc, Wiesbaden.

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Autor:
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