Perspektiven nach der Promotion | Leitfaden für Doktoranden

Perspektiven nach der Promotion
Inhalt

Prolog zu den Perspektiven nach der Promotion

Für eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb ist der Doktortitel eine notwendige Voraussetzung. Aber auch die Spitzenpositionen in freier Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung werden oft bevorzugt mit Promovierten besetzt. Inwieweit sich die Promotion als Karriere-Kick erweist, hängt dabei vor allem vom angestrebten Berufsfeld sowie vom Fachgebiet ab. In der freien Wirtschaft eröffnet eine Promotion in der Regel dann besonders gute Perspektiven, wenn zusätzlich relevante Berufserfahrung vorhanden ist.

Der Wert der Dissertation

Promovierte genießen im beruflichen wie im privaten Umfeld ein hohes Ansehen. Schließlich haben sie mit ihrer Promotion Intelligenz, Fachwissen und Forschungsdrang, aber auch Organisationstalent, Durchhaltevermögen und Konsequenz bewiesen. Daher traut man ihnen besonders anspruchsvolle Tätigkeiten in Wissenschaft und Wirtschaft zu.

Grundsätzlich haben Promovierte sehr gute Perspektiven: Lediglich ein bis zwei Prozent von ihnen sind ein Jahr nach Erlangung der Doktorwürde erwerbslos. Dabei sollten Promovierte jedoch darauf achten, sich nicht zu weit zu spezialisieren. Je spezieller das Fachgebiet, desto kleiner ist der Kreis der potentiellen Arbeitgeber, für den die Promotion relevant ist. Neben der fachlichen Exzellenz zählen im Arbeitsleben auch Praxiserfahrung und Soft Skills: Kommunikationsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und ein hohes Maß an Identifikation mit dem künftigen Arbeitgeber sind weitere wichtige Faktoren. Zudem haben Promovierte gezeigt, dass sie sich organisieren können und bei Bedarf auch nach Hilfe fragen können. Zum Beispiel durch Gespräche mit dem Betreuer der Doktorarbeit oder durch Inanspruchnahme eines Lektorat und Korrekturlesen. Das zeigt Professionalität.

Wissenschaft oder Wirtschaft?

Weiß man bereits zu Beginn der Promotion, ob eine Tätigkeit im Wissenschaftsbetrieb oder in der freien Wirtschaft das Ziel ist, kann man von vornherein die richtigen Weichen stellen. Dazu gehört, ein Thema zu wählen, dass für künftige Arbeitgeber besonders relevant ist. Unternehmensberatungen und große Firmen bieten zudem oft eigene Promotionsprogramme an. Auf diese Art und Weise ist nicht nur das Finanzieren der Promotion gesichert. Zugleich hat man bereits einen Job für die Postdoc-Phase sicher.

Ob beim Schreiben der Doktorarbeit, vor oder nach Verleihung der Promotionsurkunde: Bei der Frage, ob Wissenschaft oder Wirtschaft, geht es in erster Linie darum, was für ein Typ man ist, wo man sich wohlfühlt.

Wer sich vor allem mit Theorien und Grundlagenforschung beschäftigen möchte und gerne wissenschaftliches Arbeiten praktizieren will, ist sicher an einer Hochschule gut aufgehoben. Hier kann man relativ frei und ohne enge Zielvorgaben forschen. Neben der Forschung wird hier allerdings auch Engagement in der Lehre verlangt. Gleichzeitig stellt dieses Arbeitsumfeld hohe Anforderungen an Selbstständigkeit und Organisationsfähigkeit. Zudem sind die Stellen oft befristet. Um sich im Wissenschaftsbetrieb dauerhaft halten zu können, braucht man nicht nur gute Forschungsergebnisse, sondern auch ein belastbares Netzwerk beruflicher Beziehungen und ein bisschen Glück.

In der freien Wirtschaft hingegen ist die Forschung meist praxis- und produktorientiert. Man forscht im Auftrag und ist somit weniger frei. Man kann sich dabei allerdings oft ganz auf die Forschung konzentrieren, da Lehraufträge in der Regel entfallen. Zumeist sind Postdoc-Stellen in der Wirtschaft mit gut dotierten, unbefristeten Festanstellungen verbunden. Der Lebensunterhalt ist also mittel- bis langfristig gesichert.

Etwa 45 Prozent der Promovierten, die jünger als 45 Jahre sind, entscheiden sich daher für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft (Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs, 2017). 19 Prozent bleiben an einer Hochschule, 16 Prozent wechseln mit Doktortitel in den öffentlichen Dienst oder an außeruniversitäre Einrichtungen wie zum Beispiel Fraunhofer- oder Max-Planck-Institut.

Stellen im Wissenschaftsbetrieb

Aktuell forschen und lehren rund 26.600 Professoren an deutschen Hochschulen. Bis zum Jahr 2024 werden circa 30 Prozent von ihnen altersbedingt aus dem Uni-Betrieb ausscheiden (Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs, 2017). Gute Perspektiven also für den akademischen Nachwuchs (vgl. Günauer et. al., 2012).

Wer eine ordentliche Professur anstrebt, sollte wissen: Nur etwa jeder fünfte Habilitierte erhält tatsächlich einen Ruf an eine Universität. Chancen hat, wer relativ jung ist, besonders schnell habilitiert hat und zudem eine große Zahl an Fachpublikationen vorweisen kann. Hervorragende, innovative Forschungsergebnisse sowie eine außerordentliche Lehrbefähigung sind ohnehin Grundvoraussetzungen. Aber auch der Erfolg bei der Drittmittel-Akquise oder das persönliche Netzwerk im In- und Ausland können entscheidende Faktoren sein, um als Professor berufen zu werden.

Postdoc

Die Postdoc-Phase an einer Hochschule oder einem außeruniversitären Forschungszentrum dauert in der Regel zwei bis sechs Jahre. Ziel ist es, in dieser Zeit das eigene wissenschaftliche Profil zu schärfen und ein (internationales) Netzwerk aufzubauen. Häufig werden Postdocs mit befristeten Verträgen als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt. Den Entgelttabellen des öffentlichen Dienstes zufolge kann man dabei mit rund 42.000 Euro brutto Jahresgehalt rechnen. Etwaige Förderungen kommen gegebenenfalls hinzu. An die Postdoc-Phase schließt sich häufig ein Wechsel in die freie Wirtschaft an. Wer weiterhin an der Hochschule bleiben möchte, kann dies als Juniorprofessor oder Nachwuchsgruppenleiter tun. Auch eine Habilitation ist möglich.

Juniorprofessur

Bei der Juniorprofessur geht es neben der Forschung auch um die Lehre. 2015 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 1.600 Juniorprofessoren. Diese Nachwuchs-Profs werden bei Hochschulen drei bis sechs Jahre als Beamte auf Zeit angestellt und bekommen dafür rund 54.000 Euro brutto im Jahr. Sie haben dabei in der Regel die gleichen Aufgaben wie ordentliche Professoren – nur in geringerem Umfang. Dabei sind diese Stellen ganz unterschiedlich ausgestattet: manche mit finanziellen und personellen Ressourcen, andere als „nackte Stellen“. In jedem Fall gehören neben Forschung, Lehre und Publizieren auch die Drittmittel-Akquise sowie Budget- und Personalplanung zu den Aufgaben eines Juniorprofessors.

Nachwuchsgruppenleiter

Als Alternative zur Juniorprofessur gibt es durch Förderprogramme geschaffene Stellen als Nachwuchsgruppenleiter. Diese Stellen sind in der Regel mit einem Forschungsbudget und wissenschaftlichen Mitarbeitern ausgestattet. Hier konzentriert man sich circa fünf Jahre lang hauptsächlich auf die Forschung. Allerdings sind diese Stellen rar: Im Jahr 2015 gab es nur 921 Nachwuchsgruppenleiter (Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs, 2017). Wer Juniorprofessor oder Nachwuchsgruppenleiter werden möchte, braucht eine exzellent benotete Dissertation und möglichst viele einschlägige Fachpublikationen.

Habilitation

Je nach wissenschaftlicher Leistung findet die Habilitation parallel zur Juniorprofessur bzw. Nachwuchsgruppenleitung oder im Anschluss an die Postdoc-Phase statt. Durch die Habilitation erhält man die Berechtigung zur Abnahme von Promotionen und zur Lehre. Beides sind wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Lebenszeitprofessur. Die Habilitation dauert meist sechs Jahre. Am Ende steht der Titel Privatdozent. Dazu muss der Habilitand nachweisen, dass er fähig ist, selbstständig intensiv zu forschen, komplexe Forschungsergebnisse zu publizieren und universitäre Lehrveranstaltungen zu halten. Die letzte schriftliche Prüfung auf dem Weg zur Professur ist die Habilitationsschrift. Zur Besetzung eines freien Lehrstuhls muss der Professur-Anwärter zudem beim „Vorsingen“ – einer Lehrprobe und einem Fachvortrag – überzeugen. Daran kann sich die Professur auf Zeit (W2/W3) oder die Lebenszeitprofessur anschließen.

Perspektiven in der Wirtschaft

In den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) ist ein Doktortitel für die Karriere oft essentiell: Nimmt man Ingenieurswissenschaften dazu, stammen fast die Hälfte aller Promotionen aus diesen Fachgebieten (Statistisches Bundesamt, 2016). Bei Ärzten gehört der Doktortitel ebenfalls quasi zum Standard. In den Sprach-, Kultur- und Kunstwissenschaften hingegen sind Promovierte eher die Ausnahme. Doch auch hier gilt: Wer es in Museen, Wissenschaftsverlagen oder anderen hochrangigen Bildungseinrichtungen zu etwas bringen will, hat mit Doktortitel bessere Perspektiven, wie etwa im Praxiskolloquium der Ludwig-Maximilans-Universität München erläutert wird. Auch bei Tätigkeiten in der Politik, in der öffentlichen Verwaltung oder an exponierten Stellen wie etwa als Pressesprecher ist eine Promotion hilfreich.

Generell ist der Wert der Promotion fern der Wissenschaft maßgeblich von der angestrebten Tätigkeit abhängig: Um in einem mittelständischen Unternehmen das Produktmanagement zu verantworten, braucht man meist keinen Doktor der Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre. Im Gegenteil: Hier sind eher Bewerber ohne Promotion im Vorteil, da sie einige Jahre mehr an praktischer Berufserfahrung außerhalb der Hochschule vorzuweisen haben, wie etwa Karriereberater der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn erklären. Auf dem Weg ins Top-Management hingegen ist der Doktortitel auch für Wirtschaftswissenschaftler ein wertvolles Attribut, besonders, wenn man berufsbegleitend promoviert hat.

Einstieg

Jenseits des Hochschulbetriebs sind vor allem praktische Erfahrungen gefragt. Wer hier Karriere machen will, sollte möglichst frühzeitig Kontakte zur Wirtschaft knüpfen, Praktika machen oder als Werkstudent arbeiten. Manche Unternehmen bieten zudem Trainee-Programme für Postdocs an.

Wenn das Thema der Promotion nicht hundertprozentig zum potentiellen Arbeitgeber passt, empfiehlt es sich, bei der Bewerbung nicht allzu sehr auf die Dissertation einzugehen. Auch wenn die Forschungsergebnisse auf ihrem Gebiet vielleicht herausragend sind, sind sie für den Wunsch-Arbeitgeber inhaltlich nicht relevant, ist der Wert der Promotion – zumindest inhaltlich – begrenzt. Dann ist es geschickter, herauszustellen, inwiefern das Promovieren zur persönlichen Entwicklung beigetragen hat, beispielsweise im Hinblick auf Methodenkompetenz, Fähigkeiten der Personalführung, Durchsetzungsvermögen unter Akademikern oder ein persönliches Netzwerk im In- und Ausland.

Manchmal haben Promovierte auf dem freien Arbeitsmarkt mit Vorurteilen zu kämpfen. Sie seien verkopfte Theoretiker, überqualifiziert, im Vergleich zu Mitbewerbern zu alt, außerdem zu teuer. Oder sie seien arrogant, ‚karrieregeil‘ und daher in die Belegschaft schwer integrierbar. Je nach Wunsch-Arbeitgeber und Stelle macht es Sinn, sich im Vorfeld intensiv mit möglichen Vorurteilen auseinanderzusetzen. So kann man bereits im Zuge der Bewerbung darauf eingehen und sie bestenfalls entkräften.

Gehaltserwartung und Aufstiegschancen

Das Anfangsgehalt von Akademikern mit Doktortitel liegt bei durchschnittlich 60.500 Euro pro Jahr (Siehe die Pressemitteilung der Kienbaum Management Consultants) und damit deutlich über dem Einkommen von Postdocs an der Uni. Im Vergleich zu ihren Mitbewerbern ohne Promotion verdienen Promovierte in der freien Wirtschaft schon zu Beginn ihrer Karriere jährlich rund 15.000 Euro mehr. Allerdings gehen dem relativ hoch dotierten Berufseinstieg Jahre des meist weniger gut bezahlten Promovierens voraus. Dennoch erzielen Promovierte durchschnittlich höhere Lebenseinkommen als Akademiker ohne Titel.

Während Promovierte an Hochschulen oft nur befristete Verträge erhalten, haben in der Privatwirtschaft zwei Drittel der Promovierten eine Festanstellung. Zudem haben promovierte Arbeitnehmer meist bessere Perspektiven, schnell in der Hierarchie aufzusteigen. In Unternehmensberatungen zum Beispiel steigen Kandidaten mit Doktortitel oft direkt als Associates ein, während Master-Absolventen als Fellows ihre Karriere beginnen.

Der Doktortitel als höchster akademischer Grad hat in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Auch auf dem Arbeitsmarkt bieten sich mit der Promotion gute Perspektiven.

Für ein Berufsleben an der Hochschule ist eine Promotion notwendige Voraussetzung. Eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb ist allerdings von vielen Faktoren abhängig und daher nur schwer planbar. Denn neben den eigenen Leistungen sind beispielsweise auch (hochschul-) politische Entscheidungen oder allgemeine Wissenschaftstrends maßgeblich.

Auch in der freien Wirtschaft kann eine Promotion – je nach Fachgebiet und Wunsch-Arbeitgeber – ein Karriere-Katalysator sein. Für beste Aussichten am Arbeitsmarkt ist es hier entscheidend, frühzeitig Praxiserfahrungen zu sammeln.

Wer eine Spitzenposition als Professor oder Manager anstrebt, muss sich beeilen und sich auch jenseits der Forschung engagieren. Denn sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft sind Strebsamkeit und Vielseitigkeit gefragt. Erfolgreich ist, wer schon in jungem Alter möglichst viel erreicht und dabei die Praxisrelevanz seiner Forschung stets im Blick behält. Wem das gelingt, dem eröffnen sich herausragende Karriere-Chancen.

Literatur

Günauer, Franziska (Hrsg.) et. al. (2012): GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive: Ein Ratgeber von und für DoktorandInnen, 2. Auflage Bielefeld.

Konsortium Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (Hrsg.) (2017): Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017. Statistische Daten und Forschungsbefunde zu Promovierenden und Promovierten in Deutschland, Bielefeld.

Statistisches Bundesamt (2016): Promovierende in Deutschland, Wiesbaden.
Weiterführende Literatur:

Dekkers Linda (Hrsg.) (2016): Auf dem Weg zur Professur: Die Postdoc-Fibel, Hamburg.

Färber, Christine/Riedler, Ute (2016): Black Box Berufung: Strategien auf dem Weg zur Professur, 2. Auflage Frankfurt am Main.

Kelsky, Karen (2015): The Professor Is In: The Essential Guide To Turning Your Ph.D. Into a Job, New York (USA).

Müller, Mirjam (2014): Promotion – Postdoc – Professur: Karriereplanung in der Wissenschaft, Frankfurt am Main.

Müller, Mirjam (2017): Karriere nach der Wissenschaft: Alternative Berufswege für Promovierte, Frankfurt am Main.

Rompa, Regina (2015): Karriere am Campus: Traumjobs an Uni und FH, 2. Auflage Wiesbaden.

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