Exzerpieren bei der Bachelorarbeit | So geht’s

Exzerpieren in Bachelorarbeit und Masterarbeit
Inhalt:

Exzerpieren ist für das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit nicht zwingend erforderlich, jedoch kann es eine große Hilfe dabei sein, die gesichtete Literatur zu verwalten und sie als Notizen für die Weiterverarbeitung in der eigenen Thesis zu strukturieren. Was genau ein Exzerpt ist und wie man es erstellt steht im folgenden Text.

Was bedeutet Exzerpieren?

Nach der Literaturrecherche, bevor man damit beginnt, sich an das Verfassen seiner wissenschaftlichen Arbeit zu setzen, gibt es den Zwischenschritt des Exzerpts. Durch Exzerpieren entsteht dieses Exzerpt. Es ist dann sinnvoll, wenn man später für das Verfassen seiner Abschlussarbeit auf die Literatur zurückgreifen möchte.

Beim Exzerpieren hält man relevante Informationen in Form von Zusammenfassungen, Paraphrasen und Abschriften fest. Es reduziert Inhalte bereits auf das für die eigene Arbeit wesentliche oder erweitert sie um eigene Notizen und Gedanken. Dabei werden die für die Abschlussarbeit relevanten Textstellen der Literatur noch nicht in einen eigenständigen Fließtext eingearbeitet. Dieser Schritt erfolgt erst später.

Ziel des Exzerpierens ist die Auseinandersetzung mit einem Text, auf den man später vermutlich keinen Zugriff mehr hat, da man beispielsweise nur in der Bibliothek oder über die Fernleihe für begrenzte Zeit Einblick in den Text hatte. Eine weitere Möglichkeit ist, dass man vor der Lektüre eines Schlüsseltextes steht, der unter Umständen auch noch kompliziert geschrieben ist. Um diese Lektüre nicht später wiederholen zu müssen und die Intensität und das Verständnis des Textes zu erhöhen, fertigt man auch in diesem Fall ein Exzerpt an. Das Exzerpieren umfasst idealerweise alle relevanten Informationen zu einem Text, sodass man ihn für seine Abschlussarbeit verwenden kann (Eco, 2010: 154).

Einsatzmöglichkeiten beim Exzerpieren

Bei dem Exzerpt sollte man mit konkreten Vorstellungen daran, was man von dem Originaltext erwartet, herangehen. Über ein Inhaltsverzeichnis kann man sich dabei einen ersten Überblick verschaffen.

Manche Quellen sichtet man, weil man sich über ein Thema informieren will, andere, um eine konkrete Fragestellung der Bachelorarbeit zu beantworten oder um die Argumentation des Autors in Bezug auf eine Diskussion nachzuvollziehen. Je nach Bedarf können die Inhalte, die in ein Exzerpt aufgenommen werden, anders ausfallen.

Die Möglichkeit, die im Quelltext getroffenen Aussagen gleich zu kommentieren und mit Anmerkungen zu versehen, bieten einen großen Vorteil: Da man den Text nicht nur passiv bearbeitet, sondern aktiv mit ihm arbeitet, erlangt man ein tieferes Verständnis des Inhaltes. Somit ist das Exzerpieren ein gutes Mittel, sich mit der Materie eines Textes vertraut zu machen (Universität Mannheim Schreibberatung 2014, S.1).

Die Struktur eines Exzerpts für die Bachelorarbeit und Masterarbeit

Man unterscheidet zwei Arten des Exzerpierens: Das Exzerpt zu einer spezifischen oder allgemeinen Fragestellung. Bei der spezifische Fragestellung hält man konkrete Antworten fest, die der Text liefert. Mit dem Exzerpt für eine allgemeine Fragestellung könnte man hingegen die Kernaussagen des Textes ausfindig machen (Burchert/ Sohr 2008, S. 63).

Das Exzerpt unterteilt sich in zwei bis drei Abschnitte. Der erste Teil enthält Metadaten wie bibliografische Angaben. Der zweite Teil befasst sich mit dem Inhalt des Textes, während der dritte Teil eine Beurteilung und Einordnung in den Kontext der eigenen Arbeit ermöglicht (Ulrike Pospiech, Das Exzerpt, in: Der Schreibtrainer, 2.1.8, S. 74).

Am besten legt man zunächst eine Struktur und Formatierung für sich fest. Man könnte beispielsweise mit einer Tabellenstruktur arbeiten, in die man die benötigten Informationen eintragen kann – handschriftlich oder am Computer.

Man exzerpiert meist für niemanden außer sich selbst, daher gibt es grundsätzlich kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, dass man gut mit der eigenen Struktur arbeiten kann und später alle relevanten Informationen zur Verfügung hat, um sie für seine Bachelorarbeit oder Masterarbeit oder sogar für die Dissertation zu verwenden. Dadurch kann man unerwünschte nachträgliche Recherchen vermeiden, da man mit dem Exzerpt bereits alles auf einen Blick hat und erspart sich auch beim Lektorat einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit später viel Arbeit.

Exemplarischer Aufbau eines Exzerpts für die Bachelorarbeit und Masterarbeit

Die Angaben im Kopf des Exzerpts sollten das Datum enthalten, an dem man den Text exzerpiert hat. Ebenfalls sind die detaillierten bibliografischen Angaben und der Standort des Textes mit näheren Angaben wie der Signatur und dem Datum der Ausleihe oder Sichtung wichtig. Der allgemeine Inhalt des gesamten Textes kann ebenfalls kurz im ersten Teil des Exzerpts zusammengefasst werden.
Die Struktur für den ersten Abschnitt mit den bibliografischen Angaben könnte in etwa so aussehen:

Struktur 1. Abschnitt
Abb. 1: Struktur 1. Abschnitt

Der inhaltliche Teil des Exzerpts hält das Thema einzelner Absätze oder Passagen fest und fasst deren wesentliche Aussagen zusammen. Zitierwürdige und besonders prägnante Abschnitte können als indirekte Rede oder sogar als ein direktes Zitat wiedergegeben werden.

Beim Bearbeiten könnte sich zudem die Notwendigkeit ergeben, eine weitere Quelle hinzuzufügen oder ein Thema in einer anderen Quelle näher zu recherchieren. Hinweise dieser Art sowie eigene Bemerkungen kann man ebenfalls festhalten.
Der inhaltliche Teil eines Exzerpts könnte in etwa wie folgt gegliedert sein:

Inhaltlicher Teil des Exzerpts
Abb. 2: Inhaltlicher Teil des Exzerpts

Im dritten und abschließenden Abschnitt des Exzerpts kann man Anmerkungen festhalten, die Auskunft darüber geben, wie relevant der Text für die Abschlussarbeit ist. Zudem kann man hier – eventuell erst in einem späteren Schritt – notieren, für welchen Teil der Arbeit der exzerpierte Text verwendet werden soll.

Der dritte Teil könnte wie folgt strukturiert sein:

Dritter Teil des Exzerpts
Abb. 3: Dritter Teil des Exzerpts

Sollte man weitere Informationen als wichtig erachten, kann man die einzelnen Abschnitte des Exzerpts individuell anpassen.

 

Rekonstruierbare Gedankengänge

Direkte Zitate sollte man mit besonderer Achtsamkeit auf Fehler überprüfen, da das Originalwerk später zum Abgleich nicht mehr zur Verfügung steht. Außerdem sollte die Seitennummerierung bei direkten Zitaten hinzugefügt werden. Diese Art der Notiz sollte nur sparsam zum Einsatz kommen, beispielsweise bei Definitionen oder wenn eine Aussage besonders prägnant ist (Burchert/Sohr 2008, S. 63).

Auf diese Weise fällt es mit späterer Betrachtung des Exzerpts auch leichter, indirekte und direkte Textwiedergaben zu unterscheiden. Allgemein ist ein Exzerpt für den langfristigen Gebrauch gedacht, da Monate zwischen dem Zeitpunkt des Exzerpierens und des Schreibens der Arbeit vergehen können. Deswegen sind ausformulierte Sätze oft einfacher mit etwas zeitlichem Abstand nachzuvollziehen als einfache Stichpunkte. Wenn man allerdings hier nicht aufpasst und nicht sauber arbeitet, kann ein Exzerpt das Einfallstor für Plagiate sein, die in einer Plagiatsprüfung aufgedeckt werden können.

Die Anfertigung eines Exzerpts ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit – egal ob es sich um eine Hausarbeit oder einen Dissertation handelt.  Ob man sich entscheidet, mit Exzerpten zu arbeiten oder lieber darauf verzichtet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab – unter anderem, ob man in dem ohnehin zeitaufwendigen Prozess, eine Abschlussarbeit zu schreiben, einen weiteren Arbeitsschritt einplanen möchte.

Doch richtig angewendet ist das Exzerpieren keinesfalls ein Zeitfresser, sondern eine große Arbeitserleichterung, die das Verfassen der Abschlussthesis strukturiert, effizient und letzten Endes somit auch stressfreier gestalten kann.

Literatur

Burchert, Heiko/Sven Sohr (2008): Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens. Eine anwendungsorientierte Einführung, 2. Auflage, München.

Eco, Umberto (2010): Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt, 13. Auflage der deutschen Ausgabe, Köln/Weimar/Wien.
Weitere Literatur:

Bohl, Thorsten (2008): Wissenschaftliches Arbeiten im Studium der Pädagogik, 3. Auflage, Weinheim.

May, Yomb (2010): Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Anleitung zu Techniken und Schriftform, Stuttgart.

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